Ultraschall-Wasserzähler gehen in die zweite Verlängerung

Stichprobe, verlängerte Einsatzdauer, Ultraschall-Wasserzähler

Florenberg
Florenberg

Von 9 auf 12 Jahre Einsatzdauer verlängert – damit ist die Kosten-Nutzen-Rechnung bei der Investition in Ultraschall-Wasserzähler für Stephan Hahn, Betriebsleiter des Zweckverbands Gruppenwasserwerk Florenberg, schon voll aufgegangen. Der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg hat bereits seit 2012 Ultraschall-Wasserzähler von Kamstrup im Einsatz, derzeit 5.082 aktive Zähler. Dieses Jahr, 2021, stand bereits die zweite Stichprobenverlängerung von Kamstrup Wasserzählern an. Damit kann die erste Generation Wasserzähler um weitere drei Jahre verlängert werden.

Im März 2021 wurde eine Stichprobenprüfung mit einer Losgröße von 2.243 Zählern des Typs MULTICAL® 21 angemeldet. Dazu wurden von der Prüfstelle der swa Netze GmbH nach einem Losverfahren 80 + 16 Zähler ausgewählt. Je nach Losgröße ist eine bestimmte Zähleranzahl für die Stichprobe erforderlich, bei einer Losgröße von 1.201 bis 3.200 Zählern sind das 80 Prüflinge, weitere 16 Stück als Reserve z.B. für den Fall, dass ein ausgewählter Zähler nicht zugänglich ist. Interessant zu wissen ist, dass die Stichprobenprüfung maximal 28 Tage dauern darf, d.h. der Wasserversorger hat drei Wochen vor dem Prüftermin Zeit, um die ausgewählten Zähler auszubauen und zur Prüfstelle zu schicken.

Ein erfolgreiches Stichprobenverfahren gibt Wasserversorgungsunternehmen die Möglichkeit, elektronische Wasserzähler, die vor dem 01.01.2019 eingebaut wurden, um drei weitere Jahre im Netz zu behalten und jene Zähler, die ab 01.01.2019 eingebaut wurden, gemäß der neuen Eichverordnung um zwei weitere Jahre.

Nur elektronische Wasserzähler können weitere 3 und sogar 6 Jahre im Einsatz bleiben, vorausgesetzt sie haben das dafür erforderliche Qualifikationsverfahren bestanden. Um die Stichprobenprüfung erfolgreich zu bestehen, durften maximal drei Zähler die Fehlerwerte überschreiten. „Wie erwartet haben alle Zähler nach neun Jahren Einsatzdauer bereits zum zweiten Mal die Stichprobe bestanden“, so Hahn über die erfolgreiche Stichprobenprüfung. „Die Überprüfung ist auch dieses Mal extrem gut gelaufen, alle Zähler sind glatt durchgelaufen“, bestätigt Michael Kyrrmayr, Leiter Prüfung und Instandsetzung der swa Netze GmbH.

„Bei mechanischen Zählern ist das Stichprobenverfahren immer noch ein Lotteriespiel, eine 50:50 Chance, dass sie durch- oder nicht durchgeht.”

Michael Kyrrmayr, Leiter Prüfung und Instandsetzung der swa Netze GmbH

Scharfe Kriterien für den MULTICAL® 21

Für Kyrrmayr ist es die erste Verlängerung auf 12 Jahre bei elektronischen Wasserzählern. Alle überprüften Zähler haben die Fehlergrenzen eingehalten. Zum Vergleich, welche Fehlergrenzen der MULTICAL® 21 Q3 = 2,5 einhalten muss (Überprüfung bei 40 l/h mit +/- 3,3 % und bei 25 l/h mit +/ 8,2 % Fehlergrenze), zeigt der Leiter Prüfung und Instandsetzung auf, dass ein Flügelradzähler in der Regel 50 bis 250 l/h Durchfluss hat und daher der geprüfte Q1 Durchfluss über dem geprüften Q2 Durchfluss des MULTICAL® 21 liegt.

„Das Besondere ist, dass es bei diesen scharfen Kriterien des Ultraschall-Wasserzählers null Probleme bei der Prüfung gibt“, beschreibt Kyrrmayr. Insgesamt hat er deutschlandweit schon mehr als 20 Stichprobenverfahren von Ultraschall-Wasserzählern durchgeführt, die alle gut gelaufen sind.

Vorteile durch den Einsatz von statischen Zählern

Vorteile des statischen Zählers

Aus Erfahrung wissen die Experten, dass bei der mechanischen Ausführung nicht alle die Prüfung bestehen. „Bei mechanischen Zählern ist das Stichprobenverfahren immer noch ein Lotteriespiel, eine 50:50 Chance, dass sie durchgeht oder nicht durchgeht“, spricht Kyrrmayr aus seiner Erfahrung.

Jedes Wassernetz hat die Herausforderung, dass sich in den Rohrleitungen Ablagerungen bilden und diese mit der Zeit durch Spülungen losgelöst werden. Bei den Flügelradzählern wird der sehr feine Überstromkanal beeinflusst, womit es zu einer Parallelverschiebung der Fehlerkurve kommt und das Wasser nicht vorbeigeleitet, sondern direkt durch das Zählwerk geht, was zu einer starken Plusabweichung (d.h. der Zähler misst mehr) führt.

Beim Ringkolbenzähler hingegen wird die Mechanik vermehrt beansprucht, was mit der Zeit eine Minusabweichung (d.h. der Zähler misst weniger) und eventuell später einen Stillstand auslöst. Zudem hat jeder mechanische Zähler Verschleißteile (Lager, Rollenzählwerke, Zahnräder etc.), weshalb die Geräte nach längerem Einsatz oft nicht mehr richtig messen.

Der Ultraschall-Zähler hat den Vorteil, dass sich keine Ablagerungen bilden können und kein mechanischer Verschleiß gegeben ist. Daher haben diese Zähler eine höhere Chance positiv durch das Stichprobenverfahren zu kommen als mechanische, äußert sich Kyrrmayr.

Kosten – Nutzen im Visier

Hahns Kalkulation die Kamstrup Wasserzähler mindestens zwei Eichperioden lang im Netz zu behalten, ging auf. Die Ein- und Ausbaukosten für die Stichprobenprüfung schätzt er pro Zähler auf ungefähr 40 EUR, d.h. es ist ein erheblicher Unterschied, ob man alle 2.243 Zähler ausgebaut hätte oder lediglich 80 + 16 für die Stichprobe. Durch die zweite Eichzeitverlängerung hat der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg ein jährliches Einsparpotenzial von ca. 30.000 Euro generiert und nebenbei den Verwaltungsaufwand erheblich reduziert. Auch Kyrrmayr gibt die Höhe der Einbaukosten zu bedenken, weshalb sich für ihn die Kosten für statische Wasserzähler schon nach der ersten Stichprobe amortisieren.

„Indem die Zähler mehr als 10 Jahre lang im Netz sind, ist alles wirtschaftlich“, argumentiert der Betriebsleiter. Nicht nur der Versorger profitiert von der Stichprobenprüfung. Der Großteil der Verbraucher (bis auf die ausgewählten Stichproben) spart sich einen Urlaubstag, um dem Versorgungsunternehmen Zutritt zum Wasserzähler zu gewähren.

Und es ist nicht nur der monetäre Bereich, der für Hahn ausschlaggebend ist, sondern auch die ökonomische und ökologische Betrachtungsweise, vor allem hinsichtlich Ressourcen. Erwähnenswert ist dabei nicht nur das Material des Zählers, das längere Zeit im Einsatz ist, sondern auch ein reduzierter Verwaltungsaufwand, weniger Spritverbrauch u.v.m. „Jeder, der nachhaltig wirtschaftet, sollte solche Dinge auch im Auge behalten“, so Hahn.

Der Trend zum statischen Zähler

Immer mehr Versorger rüsten nach und nach auf Ultraschall-Zähler um, weil sie das Potenzial erkennen, mit dem Stichprobenverfahren die Eichfrist zu verlängern, Ressourcen zu sparen, ökologisch und nachhaltig zu agieren.

Kyrrmayr erkennt in der Wasserwelt eindeutig einen Trend zu statischen Zählern. Zum einen skizziert er die Vorteile des statischen Wasserzählers im Stichprobenverfahren. Zum anderen räumt er die Möglichkeiten ein, im Zuge des Smart Meter-Rollouts Gas- und Wasserzähler einzubinden, was es mit der elektronischen Variante einfacher macht. „In wenigen Jahren wird der mechanische Wasserzähler Geschichte sein“, ist Kyrrmayr überzeugt.

Über das Projekt:

  • Bereits seit 2012 Ultraschall-Wasserzähler im Einsatz
  • Derzeit 5.082 aktive Zähler
  • 2018 erste erfolgreiche Stichprobenverlängerung: Einsatzdauer auf 9 Jahre verlängert
  • 2021 zweite erfolgreiche Stichprobenverlängerung: Einsatzdauer auf 12 Jahre verlängert

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