Daten schaffen Mehrwert für Versorger, Endnutzer und Stadt

Zählerfernauslesung, Digitalisierung, Infrastruktur für automatische Zählerauslesung

Durch stündlich erfasste Werte von elektronischen Zählern zur Prozess- und Betriebsoptimierung hat Næstved Fernwärme die Vorlauftemperatur um 10 Grad, die Rücklauftemperatur um 5 Grad und die Leitungsverluste um 8% reduziert. Zukünftig erwartet das Versorgungsunternehmen sogar noch bessere Ergebnisse, obwohl der ursprüngliche Business Case den Wert der Daten nicht berücksichtigte.

Næstved Fernwärme war unter den ersten Versorgungsunternehmen in Dänemark, die ein fernauslesbares Messsystem einführten. Aber das System war instabil und fehleranfällig. Zudem wurden die Daten nur zu Abrechnungszwecken genutzt. „Wir haben die gesamte Zeit damit verbracht, das System zum Laufen zu bringen, anstatt die Daten zur Optimierung zu verwenden“, erklärt Jens Andersen, CEO von Næstved Fernwärme. 2014 musste das Versorgungsunternehmen einen Großteil der Zähler austauschen. Dabei wurden die Kosten für den weiteren Betrieb der alten Zähler gegenüber der Investition in eine neue Technologie und Austausch des gesamten Zählerparks über einen Zeitraum von 12 Jahren berechnet. „Den besten Business Case sahen wir in einem sauberen Schnitt.“ 

Ein fundierter Business Case

Kamstrup wurde aus verschiedenen Gründen als Anbieter gewählt. „Über den 12-Jahreszeitraum betrachtet, was der Batterielebensdauer entspricht, und mit der Nacheichung der Zähler wies die Lösung von Kamstrup die geringsten Gesamtbetriebskosten auf. Auch bei einer möglichen Erweiterung unserer Lösung zeigte Kamstrup sich als der richtige Partner für uns“, sagt Arne Ulstrup, Kundenmanager und Verantwortlicher für den Zählerpark. Der erste neue Zähler wurde im August 2015 installiert, der letzte knapp 10 Monate später. Damit sollte sichergestellt werden, dass das Versorgungsunternehmen rasch mit der Umsetzung des Business Case beginnen konnte. Dieser berücksichtigte ursprünglich nicht die Vorteile durch eine datengetriebene Optimierung, erläutert Jens Andersen.

„Der Business Case basierte ausschließlich auf der Wartung von Hardware und Infrastruktur. Wir hatten den Nutzen durch die Arbeit mit unseren Daten nicht einkalkuliert.“ Das Versorgungsunternehmen tat sich schwer damit, den Wert der Daten genau zu beziffern. „Was wir finanziell quantifizieren konnten, war die Hardware und die Zeit, die wir nach unserer Erfahrung für die Fehlerbehebung aufwenden mussten.“ Allerdings bestand kein Zweifel daran, dass regelmäßig erfasste Daten eine bessere Nutzung der Ressourcen ermöglichen würden: „Unser Motto lautet ’Genaue Daten zur richtigen Zeit’. Denn ohne sie können wir nicht die richtigen Entscheidungen treffen.“

Ergebnisse durch konkret verwertbare Daten

Heizanlagenbetreiber des Gebäudes

Ungefähr zur gleichen Zeit, als die neuen Zähler implementiert wurden, führte Næstved Fernwärme ein System ein, das es Kunden ermöglicht, eine Fernwärmeeinheit inklusive Service zu mieten. Dies erforderte eine Neuorientierung der Kundenabteilung. „Wir widmeten unsere Zeit zunehmend anderen Aufgaben, wobei die Kunden plötzlich sehr stark in den Mittelpunkt rückten. Teils mussten somit alte Kompetenzen neuen weichen, teils wurden zusätzliche Ressourcen bereitgestellt“, sagt Jens Andersen.

Das Versorgungsunternehmen ist derzeit Eigentümer von 2.000 Installationen und plant den Besitz aller Installationen im Netzwerk innerhalb von 10 Jahren. Arne Ulstrup schätzt, dass sich eine Optimierung für 75 % der Installationen in der früheren Infrastruktur lohnte – es gab dafür aber keine Anforderungen. „Wenn wir mithilfe von Daten die Kunden mit der schlechtesten Kälteleistung im Verteilnetz gezielt ermitteln können, lässt sich der Betrieb effizienter gestalten. Das schafft Mehrwert – für uns, unsere Kunden und die Stadt Næstved.“

Heute beschäftigen sich 2½ Mitarbeiter damit, den Energieverbrauch der Fernwärmeeinheit der einzelnen Kunden zu optimieren. Das Ganze basiert auf einer täglichen Erfassung der Laderate. „Sie können unsere Fahrzeuge ständig in der ganzen Stadt sehen, denn wir suchen vor Ort nach Optimierungsmöglichkeiten. Außerdem machen wir unsere Kunden mit ihren Optionen und unserem Mietsystem vertraut. Auf diese Weise übernehmen wir Verantwortung und werden quasi zum Heizanlagenbetreiber des Gebäudes.“ Laut Jens Andersen führt diese Maßnahme zu drei Dingen: „Der Kunde vermeidet den Motivationstarif, und wir reduzieren unsere Leitungsverluste. Aber der größte Vorteil ist eine deutlich höhere Kapazität im Verteilnetz. Mit anderen Worten: Wir können mehr Kunden versorgen, ohne unsere Haupttransportleitungen erweitern zu müssen.“ 

Das ist erst der Anfang

Basierend auf häufigeren Zählerdaten hat Næstved Fernwärme klare Ergebnisse erzielt. „Wir haben die Rücklauftemperatur um 5 Grad und, über längere Zeitabschnitte des Jahres, die Vorlauftemperatur um bis zu 10 Grad gesenkt. Bereits jetzt haben wir damit unsere Leitungsverluste um 8 % reduziert, wobei wir erwarten, 10 % zu erreichen. Darüber hinaus haben viele unserer Kunden bei ihrer Heizkostenabrechnung bis zu 10 % eingespart“, sagt Jens Andersen.

Die finanziellen Einsparungen aufgrund der Prozessoptimierung zeigen ebenfalls erhebliche Auswirkungen auf das Versorgungsunternehmen. „Heute erhält keiner unserer Kunden mehr als 75 Grad, sodass wir bedeutend weniger Kubikmeter Wasser nutzen. Zudem stellen alleine 10 % weniger Leitungsverluste jährliche Kosten von 1 Million DKK (das entspricht in etwa 133.828 EUR) dar, ohne die unterirdischen Assets überhaupt einzubeziehen. Das alles lässt sich automatisch durch eine Reduktion der Temperatur erreichen. Dabei sind wir längst noch nicht fertig.“ Neben den 10 Temperaturmesspunkten im Verteilnetz integriert der Versorger derzeit 50 Prioritätszähler, die Daten in einem Intervall von bis zu 96 Sekunden liefern. Im SRO-System lässt sich sogar ein noch besseres Management von Temperatur und Durchfluss im Verteilnetz sicherstellen und die Energieeffizienz steigern.

Darüber hinaus erwartet das Versorgungsunternehmen, durch Energieoptimierungen einen Betrag von 1 - 1,5 Millionen DKK (das entspricht in etwa 133.828 - 200.734 EUR) einzusparen. „Wir haben die abschließende Berechnung noch nicht vorgenommen. Aber basierend auf den bisherigen Ergebnissen ist der Business Case sogar besser als angenommen.“ 

„Heute sehen wir uns die Zählerdaten an. Wenn wir dann 50 Jahre alte Leitungen mit 20 Jahre jüngeren vergleichen, stellen wir keine erhöhten Wärmeverluste fest. Auf dieser Grundlage konnten wir bereits den Austausch vieler Anschlussleitungen, die ersetzt werden sollten, verschieben. Dadurch sind wir in der Lage, unsere Ressourcen auf Bereiche zu konzentrieren, wo sie wichtiger sind.“

Jens Andersen, CEO von Næstved Fernwärme

Jeden Tag besser als am Tag zuvor

Wenn man sicherstellt, dass Kunden genau die Temperatur erhalten, die sie benötigen, verabschiedet man sich vom bisher geltenden Grundsatz, dass Vorsicht besser ist als Nachsicht. „Wir wissen, dass die Versorgungssicherheit für 90 % unserer Kunden das Wichtigste ist. Das müssen wir respektieren. Wir müssen uns aber auch jeden Tag bemühen, die Dinge ein klein wenig besser zu machen als am Tag zuvor“, erläutert Jens Andersen.

Gleiches gilt für die Wartung des Verteilnetzes. Früher war dafür in erster Lage das Alter ausschlaggebend. „Heute sehen wir uns die Zählerdaten an. Wenn wir dann 50 Jahre alte Anschlussleitungen mit Leitungen vergleichen, die 20 Jahre jünger sind, stellen wir fest, dass es nicht zu mehr Wärmeverlusten kommt. Damit war es uns möglich, den Austausch von mehreren Anschlussleitungen zu verschieben und diese Ressourcen an anderer Stelle zu nutzen.“ Anhand der Daten von elektronischen Zählern hat das Versorgungsunternehmen auch die Anzahl der Bypässe im Netzwerk von 131 auf 10 reduzieren können.

„Wir verkaufen keine Fernwärme“

In einer Zeit, in der Wärmepumpen ihren Weg in viele Privathaushalte finden, macht man sich bei Næstved Fernwärme deshalb keine Sorgen. Stattdessen arbeitet der Versorger aktiv daran, den Ruf von Fernwärme, unsichtbar zu sein, zu ändern. „Es besteht jetzt seit 8 Jahren kein Anschlusszwang mehr. Wir verkaufen Fernwärme in neue Gebiete aufgrund der Tatsache, dass wir eine Komplettlösung bieten, einschließlich Vermietung der Einheit und Service dafür.“ Nach Aussage von Jens Andersen geht es um das Risikoprofil, für das sie sich entschieden haben. „Wir müssen den Mut aufbringen, in einen direkten Dialog mit unseren Kunden zu treten. Sie können ihre Einheit jederzeit entfernen. Das ist unser Risiko. Aber nichts zu tun, ist ebenfalls ein Risiko. Wir müssen Standards für die Versorgungssicherheit einhalten. Wenn wir jedoch wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir auch andere Services anbieten. Wir verkaufen keine Fernwärme. Wir verkaufen Komfort und Behaglichkeit.“

Über Næstved Fernwärme

Länge des Netzwerks
Næstved Fernwärme verwaltet und wartet ein Verteilnetz mit einer Leitungslänge von zirka 150 km.

Zähler
5.200 elektronische Zähler im Netzwerk liefern 365 Tage im Jahr Daten und bieten dem Versorgungsunternehmen Optimierungsmöglichkeiten.

Lösungen
Wärmezähler mit Wireless M-Bus per READy Fixed Network gewährleisten die Bereitstellung regelmäßiger Daten von elektronischen Zählern

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