Digitalisierung führt zu messbaren Ergebnissen

Assens Fernwärme, Dänemark

Dank fernauslesbarer Zähler, häufiger Datenerfassung und gezielter Analytik konnte Assens Fernwärme die Netzwerktemperatur um 6 - 8 Grad senken. Bislang hat das Versorgungsunternehmen seine jährliche Wärmeproduktion um 2,5 % und die Leitungsverluste um 12 % reduziert. Nach Angaben des CEO ist das aber erst der Anfang.

2013, als Assens Fernwärme sich entschloss, in intelligente Wärmezähler und eine fernauslesbare Netzwerklösung zu investieren, war Digitalisierung für viele noch ein Modewort. Kaum jermand vermochte das darin schlummernde Potenzial zu erkennen. Doch das Versorgungsunternehmen hatte die klare Vorstellung, dass häufiger erfasste Zählerdaten bessere Optimierungsmöglichkeiten bieten würden. Deshalb wechselte man von halbjährlichen Auslesungen zu stündlich erfassten Werten, obwohl am Anfang Unsicherheit herrschte, wie die großen Datenmengen verarbeitet und genutzt werden konnten.

„Wir wussten nicht genau, wie und für welche Zwecke wir all diese Daten verwenden sollten. Aber wir erwarteten, mehr über den Bereich Abkühlung zu erfahren und einen besseren Kundenservice zu bieten“, sagt Marc Roar Hintze, CEO von Assens Fernwärme. Heute zeigt sich, dass die verstärkte Digitalisierung zu einer Reihe von messbaren Ergebnissen auf der Produktionsseite sowie im Verteilungsnetz geführt hat.

 

Datengetriebene Prozessoptimierung

Die gewaltigen Datenmengen wurden in der ersten Phase zur Optimierung des Verteilungsnetzes genutzt. Insbesondere war das Versorgungsunternehmen in der Lage, die Vorlauftemperatur erheblich zu senken. Zuvor wurde diese anhand der Endnutzer festgelegt, die am weitesten entfernt wohnten, was zu einer höheren Temperatur als erforderlich führte. Heute bilden die tatsächlichen Vorgänge im Verteilungsnetz die Basis für die Optimierung.

„Sobald alle Zähler in Betrieb waren, sahen wir uns mit einer enormen Menge an Daten konfrontiert. Doch mit den Tools, die Kamstrup uns zur Verfügung stellte, konnten wir – auf Stundenbasis – die genaue Temperatur im gesamten Versorgungsnetz sehen. Aufgrund der fortlaufenden Digitalisierung unserer Prozesse waren wir tatsächlich imstande, die Vorlauftemperatur um 6 - 8 Grad zu senken.“ Das Versorgungsunternehmen konnte außerdem die mehr als 100 Bypässe im Verteilungsnetz entfernen.

„Durch die Optimierung unseres Netzbetriebs haben wir in den letzten Jahren 2.500 - 3.000 MWh eingespart – das sind zirka 2,5 % – und die Leitungsverluste um 12 % reduziert“, erklärt Marc Roar Hintze. „Mithilfe der Daten konnten wir unser Rohrleitungssystem mit seinen vielen Hundert Kilometern Länge besser verstehen und begreifen, was zum Beispiel genau passiert, wenn wir die Temperatur verringern. Zuvor hatten wir keinen vollständigen Überblick, was solche Änderungen bewirken – und das, obwohl unsere Mitarbeiter auf 10, 20 oder 30 Jahre Erfahrung zurückblicken können.“

Insgesamt hat die Prozessoptimierung des Verteilungsnetzes zu Einsparungen von 245 DKK (33 EUR) pro Haushalt geführt. Das Versorgungsunternehmen rechnet sogar damit, noch mehr zu sparen, wenn in Kürze die nächste Phase ansteht: „Die bisherigen Einsparungen wurden erzielt, indem wir Menge und Temperatur des eingespeisten Wassers unter die Lupe genommen haben. Erst jetzt beginnen wir, uns um einzelne Gebäude, Endnutzer mit schlechtem Energieverhalten und ineffiziente Installationen zu kümmern.“

Ergebnisse durch intelligente Zähler, häufige Daten und gezielte Datenanalyse

Endnutzer im Mittelpunkt

Die verbraucherseitige Optimierung ist ein zeitaufwendiger Prozess. Doch Marc Roar Hintze schätzt, dass sich dort ein Einsparpotenzial verbirgt, das so hoch ist wie die bisherigen Einsparungen. Durch eine häufige Datenerfassung lassen sich nicht nur Endnutzer mit einem schlechten Energieverhalten identifizieren, sondern auch die Gründe dafür. „Uns war immer bewusst, dass es Endnutzer mit mangelhafter Kühlung gibt. Aber jetzt sind wir in der Lage, die zugrunde liegenden Ursachen herauszufinden.“

Der CEO erwartet, dass 80 % der Einsparungen bei 20 % der Verbraucher erzielt werden können. „Wir benötigen Daten, die uns zeigen, wo das größte Potenzial besteht. Auf diese Weise verschwenden wir keine Ressourcen, um die 80 % zu ermitteln, die nur einen äußerst geringen Einfluss haben. Nun können wir sie nach Priorität einteilen und individuelle Vorschläge zur Optimierung der einzelnen Heizinstallationen machen.“
Eine häufige Datenerfassung dient auch dazu, den tatsächlichen Bedarf für eine Sanierung der Fernwärmeleitungen einzuschätzen. Früher wurde der Zustand des Verteilungsnetzes auf Grundlage etwa von Alter oder Wasserverlusten taxiert. Aber die Kombination von Zählerdaten des Verteilungsnetzes mit innovativer Analytik ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung der Kapazität und Last. Dadurch lassen sich Investitionen in die Wartung des Verteilungsnetzes optimieren. „Wir haben bereits unsere komplette Produktion digitalisiert. Mit den intelligenten Zählern und dem Analyse-Tool Heat Intelligence digitalisieren wir jetzt auch unser Verteilungsnetz“, erläutert der CEO.

„Mithilfe der Daten konnten wir unser Rohrleitungssystem mit seinen vielen Hundert Kilometern Länge besser verstehen und begreifen, was zum Beispiel genau passiert, wenn wir die Temperatur verringern.“

 

Marc Roar Hintze, Assens Fernwärme

Der Paradigmenwechsel ist eingeleitet

Marc Roar Hintze glaubt, dass das Tempo der Digitalisierung sogar noch zunehmen wird. „In der gesamten Wertschöpfungskette findet ein Paradigmenwechsel statt, der politisch und regulatorisch unterstützt wird. Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran, und das wird auch so bleiben.“
Während der Energiesektor in der Vergangenheit stark fragmentiert war, ist heutzutage alles integriert – von der Produktion bis zu den Verbrauchern und wie sie zukünftig in viel größere Energiesysteme eingebunden werden. Und genau das macht Digitalisierung so wertvoll: „Die Digitalisierung liefert uns die notwendige Übersicht und Transparenz, um uns in Systemen zurechtzufinden, die zunehmend komplexer werden.“

Für Assens Fernwärme ist Transparenz zugleich die Voraussetzung für die Integration erneuerbarer Energien in das System. Quellen wie Solar- und Windenergie sowie Wärmeüberschüsse sorgen hierbei für ein hohes Maß an Komplexität. „Es geht nicht mehr einfach nur darum, eine Maschine ein- oder auszuschalten. Was wir nun brauchen, sind Vorhersagen für Wind, Sonne, Verbrauch etc.“, sagt Marc Roar Hintze und fährt fort: „Ich sage voraus, dass wir bald Echtzeitvorhersagen haben werden – insbesondere, weil die Datenmenge sich einfacher verarbeiten und schneller analysieren lassen wird. Dadurch werden wir völlig neue Dinge erleben.“

Auch heute hegt der CEO keinen Zweifel daran, dass die Investitionen in die Digitalisierung richtig waren: Vor fünf Jahren dachten wir einfach, wir könnten unser Abrechnungsverfahren verbessern und vielleicht unser System etwas optimieren. Doch das Potenzial ist eindeutig viel größer. Bereits jetzt können wir die Rendite unserer Investitionen erkennen. Und wir wissen, dass dies noch nicht alles war.“

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