Kein Lotteriespiel mit statischen Zählern beim Stichprobenverfahren

Stichprobenprüfung mit Kamstrup Wasserzählern beim Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg erfolgreich abgeschlossen

Der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg hat bereits seit 2012 Ultraschall-Wasserzähler von Kamstrup im Einsatz, derzeit 4.944 aktive Zähler. Somit stand in diesem Jahr die erste Stichprobenprüfung von Kamstrup Wasserzählern beim Zweckverband Florenberg an.

Im Januar 2018 wurde eine Stichprobenprüfung mit einer Losgröße von 2.244  Zählern des Typs MULTICAL® 21 angemeldet, dazu wurden von der Prüfstelle der swa Netze GmbH nach einem Losverfahren 80 + 16 Zähler ausgewählt. Je nach Losgröße ist eine bestimmte Zähleranzahl für die Stichprobe erforderlich, bei einer Losgröße von 1.201 bis 3.200 Zählern sind das 80 Prüflinge, weitere 16 Stück als Reserve z.B. für den Fall, ein ausgewählter Zähler ist nicht zugänglich. Interessant zu wissen ist, dass die Stichprobenprüfung maximal 14 Tage dauern darf, d.h. der Wasserversorger hat eine Woche vor dem Prüftermin Zeit, um die ausgewählten Zähler auszubauen und zur Prüfstelle zu schicken.

Ein erfolgreiches Stichprobenverfahren gibt Wasserversorgungsunternehmen die Möglichkeit, die Zähler weitere drei Jahre im Netz zu behalten.

Um die Stichprobenprüfung erfolgreich zu bestehen, dürften maximal drei Zähler die Fehlerwerte überschreiten. „Wie erwartet haben alle Zähler bestanden“, so Betriebsleiter Stephan Hahn über die erfolgreiche Stichprobenprüfung. „Die Überprüfung ist extrem gut gelaufen, alle Zähler sind glatt durchgelaufen“, bestätigt Michael Kyrrmayr, Leiter Prüfung und Instandsetzung der swa Netze GmbH.

Scharfe Kriterien für den MULTICAL® 21
Für Kyrrmayr ist es das erste Los dieser Größe, das bis dato an elektronischen Wasserzählern zur Stichprobenprüfung angemeldet wurde. Alle überprüften Zähler haben die Fehlergrenzen eingehalten. Zum Vergleich, welche Fehlergrenzen der MULTICAL® 21 Q3 = 2,5 einhalten muss (Überprüfung bei 40 l/h mit +/- 3 % und bei 25 l/h mit +/- 8 % Fehlergrenze), zeigt der Leiter Prüfung und Instandsetzung auf, dass ein Flügelradzähler in der Regel 50 bis 250 l/h Durchfluss hat und daher der geprüfte Q1 Durchfluss über dem geprüften Q2 Durchfluss des MULTICAL® 21 liegt. „Das Besondere ist, dass es bei diesen scharfen Kriterien des Ultraschall-Wasserzählers null Probleme bei der Prüfung gibt“, beschreibt Kyrrmayr.

„Die Überprüfung ist extrem gut gelaufen, alle Zähler sind glatt durchgelaufen. Das Besondere ist, dass es bei diesen scharfen Kriterien des Ultraschall-Wasserzählers null Probleme bei der Prüfung gibt.“

- Michael Kyrrmayr, Leiter Prüfung und Instandsetzung, swa Netze GmbH

Vorteile des statischen Zählers
Aus Erfahrung wissen die Experten, dass bei der mechanischen Ausführung nicht alle die Prüfung bestehen. „Bei mechanischen Zählern ist das Stichprobenverfahren immer noch ein Lotteriespiel, eine 50:50 Chance, dass sie durchgeht oder nicht durchgeht“, spricht Kyrrmayr aus seiner Erfahrung.

Jedes Wassernetz hat die Herausforderung, dass sich in den Rohrleitungen Ablagerungen bilden und diese mit der Zeit durch Spülungen losgelöst werden. Bei den Flügelradzählern wird der sehr feine Überstromkanal beeinflusst, womit es zu einer Parallelverschiebung der Fehlerkurve kommt und das Wasser nicht vorbeigeleitet, sondern direkt durch das Zählwerk geht, was zu einer starken Plusabweichung (d.h. der Zähler misst mehr) führt. Beim Ringkolbenzähler hingegen wird die Mechanik vermehrt beansprucht, was mit der Zeit  eine Minusabweichung (d.h. der Zähler misst weniger) und eventuell später einen Stillstand auslöst. Zudem hat jeder mechanische Zähler Verschleißteile (Lager, Rollenzählwerke, Zahnräder etc.), weshalb die Geräte nach längerem Einsatz oft nicht mehr richtig messen.

Der Ultraschall-Zähler hat den Vorteil, dass sich keine Ablagerungen bilden können und kein mechanischer Verschleiß gegeben ist. Daher haben diese Zähler eine höhere Chance positiv durch das Stichprobenverfahren zu kommen als mechanische, äußert sich Kyrrmayr.

Kosten – Nutzen im Visier 
Hahn verspricht sich, dass die Kamstrup Wasserzähler mind. zwei Eichperioden lang im Netz bleiben. Die Ein- und Ausbaukosten für die Stichprobenprüfung schätzt er pro Zähler auf ungefähr 30 EUR, d.h. es ist ein erheblicher Unterschied, ob man alle 2.244 Zähler ausgebaut hätte oder lediglich 80 + 16 für die Stichprobe. Durch die Stichprobenprüfung und dadurch reduzierte Verwaltungsaufwände hat der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg die geplanten und kalkulierten > 70.000,00 EUR eingespart. „Wenn die Zähler durchschnittlich 10 Jahre lang im Netz sind, ist alles wirtschaftlich“, argumentiert der Betriebsleiter. Nicht nur der Versorger profitiert von der Stichprobenprüfung. Der Großteil der Verbraucher (bis auf die ausgewählten Stichproben) spart sich einen Urlaubstag, um dem Versorgungsunternehmen Zutritt zum Wasserzähler zu gewähren.

Auch Kyrrmayr gibt die Höhe der Einbaukosten zu bedenken, weshalb sich für ihn die Kosten für statische Wasserzähler schon nach der ersten Stichprobe amortisieren. Und es ist nicht nur der monetäre Bereich, der für Hahn ausschlaggebend ist, sondern auch die ökonomische und ökologische Betrachtungsweise, vor allem hinsichtlich Ressourcen. Erwähnenswert ist dabei nicht nur das Material des Zählers, das längere Zeit im Einsatz ist, sondern auch ein reduzierter Verwaltungsaufwand, weniger Spritverbrauch u.v.m. „Jeder, der nachhaltig wirtschaftet, sollte solche Dinge auch im Auge behalten“, so Hahn.

„Der Zähler wird bestimmt 2 bis 3 Stichprobenverfahren durchmachen und das ist mehr als man erwarten kann. Man kann das bloß empfehlen“, so Kyrrmayr. 2019 hat der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg  bereits die nächste Stichprobenprüfung und dann ist zwei Jahre lang Pause. Über eine zweite Verlängerung der Stichprobe beim Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg machen sich die beiden Experten keine Sorgen.

Der Trend zum statischen Zähler
Kleinere Wasserversorger rüsten nach und nach auf Ultraschall-Zähler um, weil sie das Potenzial erkennen, mit dem Stichprobenverfahren die Eichfrist zu verlängern, Ressourcen zu sparen, ökologisch und nachhaltig zu agieren. Im Umkreis der swa Netze GmbH stellen 5 – 6 Versorger ihr Zählerwesen auf Ultraschall-Technologie um.
Kyrrmayr erkennt in der Wasserwelt eindeutig einen Trend zu statischen Zählern. Zum einen skizziert er die Vorteile des statischen Wasserzählers im Stichprobenverfahren. Zum anderen räumt er die Möglichkeiten ein, im Zuge des Smart Meter-Rollouts Gas- und Wasserzähler einzubinden, was es mit der elektronischen Variante einfacher macht.  „In 10 Jahren wird der mechanische Wasserzähler Geschichte sein“, ist Kyrrmayr überzeugt.

Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg, Künzell, Deutschland

Der Zweckverband Gruppenwasserwerk Florenberg war der erste Wasserversorger in Deutschland, der bereits 2012 sein komplettes Messwesen auf intelligente Ultraschall-Wasserzähler umstellte. Die Verbrauchsdaten werden seitdem via Funk, auf den Tag genau, im Vorbeifahren mit dem Auto ausgelesen.

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