Willkommen im 21. Jahrhundert


Wasser- und Abwasserzweckverband Nieplitztal, Deutschland
Insgesamt versorgt der WAZV „Nieplitztal“ rund 10.000 Einwohner mit zwei Wasserwerken und vier Druckerhöhungsstationen über ein 106 km langes Leitungsnetz. Dazu gehören 2.600 Hausanschlüsse und 400 Gartenzähler.
Mit der Zeit verändern sich Herausforderungen. Während man nach der Gründung des Wasser- und Abwasserzweckverbands (WAZV) „Nieplitztal“ und der WWN Wasserwirtschaftsgesellschaft Nieplitztal mbH 1994 vor der Aufgabe stand, die marode Wasserwirtschaft der ehemaligen DDR in eine dauerhaft leistungsfähige Daseinsvorsorge umzubauen, steht man heute vor einem demografischen Wandel. Die Kundenanzahl in Treuenbrietzen ist stagnierend und die Kosten steigen. Das oberste Ziel der Mitglieder des Verbandes ist neben der ordnungsgemäßen Ver- und Entsorgung die Beitragsund Gebührenstabilität bei Trink- und Abwasser zu erfüllen. Das ist dem Unternehmen nur durch schlankere Personalstrukturen sowie Zusatzaufträge möglich.

Seit 2012 Schritt für Schritt auf modernste Technologie umgestellt
Bereits 2012 hat Geschäftsstellenleiter Gerd Uhl in Treuenbrietzen das 21. Jahrhundert in der Wasserwirtschaft eingeläutet. Dazu kam ihm das Testpaket von Kamstrup mit 20 Wasserzählern und Auslesesoftware inklusive Antenne sehr entgegen. Besonders angesprochen hat ihn die 16-jährige Batterielebensdauer, was er als Durchbruch bezeichnet. Zwei Zähler wurden direkt im Versorgungsunternehmen eingebaut, um diese im Detail analysieren zu können und 18 weitere wurden im Feldversuch bei Kunden eingesetzt.
Rundum zufrieden mit dem Quantensprung in der Wassermessung erweiterte man 2013 bis 2015 den Feldversuch auf jene Anschlüsse, bei denen turnusmäßig ein Zählerwechsel vorgesehen war. Ende 2015 waren insgesamt 700 Ultraschall-Wasserzähler des Typs MULTICAL® 21 und flowIQ® 3100 im Einsatz.

Bis dahin sammelte der Wasserversorger Erfahrungen, setzte sich mit Themen wie Stichprobenkontrolle und Losprüfung auseinander und stellte Rentabilitätsberechnungen an, um sich nicht ausschließlich auf Herstellerangaben zu verlassen. Investitionen dieser Größenordnung müssen abgewogen werden und am Ende entscheiden die Kosten. Trotz äußerst pessimistischer Annahmen wird die Rentabilität nach acht Jahren erreicht.

In der Verbandsversammlung 2015 wurden die Ergebnisse des modernen Ultraschall-Wasserzählers präsentiert und der Gesamt-Rollout bis Ende 2017 im Anschluss genehmigt. Für die Auswahl der Kamstrup-Zähler sprachen absolute Messgenauigkeit sowie Manipulationssicherheit. Die Hardware ist geschützt vor Hacker-Angriffen und der Zähler kann nicht von außen konfiguriert werden, fasst Uhl die Vorteile zusammen. Der integrierte Datenlogger hat für ihn den Charakter einer Urkunde, da die Daten nicht löschbar sind und in Streitfällen als Beweismittel herangezogen werden können.

Ablesen war gestern, READy ist heute
„1970 ist noch lange nicht vorbei“, äußert sich Uhl, wenn er die Wasserwirtschaft beobachtet. Aber in Treuenbrietzen hat bereits das 21. Jahrhundert begonnen. Bereits 1999/2000 war der Wasserversorger fortschrittlich und hat die Ablesedaten direkt in ein Handheld-Gerät eingegeben, um Fehler in der Weiterverarbeitung der Daten zu vermeiden und effizienter zu sein.

Die Umstellung auf die Ultraschall-Wasserzähler und die Datenerfassung mittels Auslesesoftware READy war nochmals ein Quantensprung für den Versorger. Mit den modernen Ultraschall-Wasserzählern und READy benötigt ein Ableser nur noch einen Führerschein, ein Auto sowie ein Tablet mit dazugehöriger Software. Damit können die Daten zum Jahresende innerhalb weniger Stunden im Vorbeifahren zu 100 % fehlerfrei erfasst und übertragen werden. Der Zähler übermittelt Verbrauchsdaten, Umgebungs- sowie Wassertemperatur und Alarme bei Rohrbrüchen und Leckagen, Trockenstand sowie Rückfluss in Form von Infocodes.

Service für den Kunden
Ganz im 21. Jahrhundert der Wasserwirtschaft angekommen, wird das Verbandsgebiet heute bereits quartalsweise abgefahren und die Zählerdaten mittels READy-Software ausgelesen, um einen besseren Überblick über das Versorgungsgebiet zu haben und Kunden über Leckagen informieren zu können. Wichtig ist es dem Verband, in der Bevölkerung keine Sorgen zu verbreiten, sondern mit Fingerspitzengefühl vor Kontaktaufnahme mit dem Kunden abzuwägen, ob beispielsweise eine Leckagemeldung über den „normalen“ Bereich hinausgeht. Wenn die Ursache nicht sofort vor Ort erkannt werden kann, können die Loggerdaten mit dem optischen Lesekopf ausgelesen werden, um die jeweilige Fehlermeldung besser nachvollziehen zu können.

Gerd Uhl berichtet bereits von einigen Beispielen zufriedener Kunden, wo dank Leckagemeldungen größere Schäden verhindert werden konnten. Ein Verbraucher hat sogar über das Amtsblatt (Ausgabe 3/2016) den offiziellen Weg gesucht:

“Ich möchte mich auf diesem Wege beim Treuenbrietzener Wasser- und Abwasserverbandsmitglied bedanken. Ich hatte Mitte Januar Besuch eines Mitarbeiters, der mich auf einen erhöhten Wasserverbrauch oder sogar auf ein Leck in meiner Hausanlage aufmerksam machte.”

“Da ich seit Mitte 2015 in der glücklichen Lage bin, eine digitale funkablesbare Wasseruhr zu haben, kam der Mitarbeiter durch eine Leckerkennung zu dem Schluss und informierte mich daraufhin umgehend. Ich konnte dadurch dem Problem auf die Spur kommen und fand heraus, dass mein Absperrhahn zur Gartenbewässerung defekt war. Dadurch sind mir ungeahnte Kosten erspart geblieben, denn ich hatte durch dieses Leck im Dezember schon ca. 10 m³ Mehrverbrauch. […]“

„Scheinbare“ Verluste im Netz
Ein Thema, mit dem sich jeder Wasserversorger beschäftigt, sind sogenannte Netzverluste. Dabei handelt es sich in Treuenbrietzen in der Regel nicht um reale Wasserverluste, ist der Fachmann überzeugt. Es gibt eine Diskrepanz zwischen eingespeister und „gezählter“ Menge. Selbst nachdem das alte Leitungsnetz aus Gussrohren zu 98 % durch ein PE-Netz ausgetauscht wurde, lagen die „Verluste“ immer noch bei 10 %.

Zum einen basieren die Netzverluste auf dem Abrechnungszeitraum, da für die Monate Oktober bis Dezember Hochrechnungen aufgestellt werden. Zum anderen sieht Uhl die Hauptursache darin, dass viele Kleinstmengen in Hausanlagen durch den mechanischen Mehrstrahl-Flügelradzähler aufgrund seines Anlaufwertes von 10 l/h nicht erfasst werden. Aus seiner Erfahrung weiß der Experte, dass der MULTICAL® 21 eine äußerst hohe Messgenauigkeit aufweist und in der Praxis bereits ab 1 l/h anläuft. Um 1 l/h Wasserverlust – beispielsweise durch einen tropfenden Wasserhahn – zu veranschaulichen, rechnet er diese Menge auf 16 ml/min hinunter, was etwas weniger als einem kleinen Schnapsglas entspricht.

Diese scheinbar minimale, nicht erfasste Menge bedeutet auf das Jahr umgerechnet einen kaufmännischen Verlust von 9 m³ oder 900 Wassereimern, was einem Wert von ungefähr 50 EUR bei herkömmlichen Wasserpreisen entspricht. Beispiele für diese „Schleichverluste“ sind tropfende Wasserhähne oder nicht gewartete Überdruckventile, was erfahrungsgemäß in jedem zehnten Haushalt vorkommt.
Während diese Größen zuvor nicht erfasst werden konnten, wird mit dem Ultraschall- Messgerät vollständige Transparenz geschaffen.

Aufgrund der modernen Messtechnik erfolgt eine gerechte Aufteilung der Kosten, da derjenige das Wasser bezahlt, der es auch entnommen hat. Unter anderem konnte in den vergangenen zwei Jahren durch die moderne Ultraschall-Technologie der Umsatz um insgesamt 1,5 bis 2 % gesteigert werden.

Passende Zählergröße
In der Praxis sind die Zähler häufig überdimensioniert, so war das in Treubrietzen auch bei den Mehrstrahl-Flügelradzählern der Fall. Mit dem Einsatz der Ultraschall-Zähler hat der Versorger um eine halbe Nummer zurückgeschraubt und setzt damit die passende und angemessene Zählerdimension ein. In der Praxis zeigt sich hier ein besseres Messergebnis im Qmin-Bereich bei gleichbleibender Versorgungsqualität.

Hygiene im Netz
„Das Thema Hygiene beginnt an dem Tag erst richtig, an dem der Zähler eingebaut ist“, äußert sich Gerd Uhl. Ein großes Thema ist für den Versorger der Rückfluss. Aus seinem Kenntnisstand weisen Rückflussverhinderungsventile nach sechs Jahren 10 % Fehlerhäufigkeit auf. In Verbindung mit Luftblasen im Hausnetz kann das gefährlich für das öffentliche Netz werden. In Treuenbrietzen herrscht normalerweise ein Druck von 3,5 – 5,5 bar vor. Bei einem Stromausfall sinkt der Netzdruck auf < 1 bar. Dank Rückflusserkennung der modernen Zähler ist Uhl nach einem Stromausfall die betroffenen Straßenzüge abgefahren und hat bei sechs Häusern Rückflüsse fest-gestellt, die auf defekte Ventile zurückzuführen waren. Mittels Infocodes ist es sehr einfach, die betroffenen Parteien herauszufiltern und zu verständigen. Die Verantwortung liegt zwar beim Kunden, dieser kennt aber das Problem meistens nicht. Zuvor wusste man, dass es bestimmt Defekte gibt, nicht aber wo diese unter den 3.000 Anschlussnehmern zu finden sind.

“Das Thema Hygiene beginnt an dem Tag erst richtig, an dem der Zähler eingebaut ist”, äußert sich Gerd Uhl.
Für den Versorger ist die Rückflussanzeige ein wichtiges und unerlässliches Instrument für die Sicherstellung der Trinkwasserhygiene.

Zukunftsperspektive
– intelligente Messung in Wohnungen

In großen Wohngebäuden kommen in Treuenbrietzen Einstrahl-Flügelradzähler zur Verteilung der Kosten zum Einsatz. Diese sind preiswert und passen gut in den Leitungsquerschnitt. Eine ihrer Eigenschaften ist, dass sie noch träger im Anlauf als Mehrstrahl-Flügelradzähler sind, zudem gehen sie häufig kaputt und bringen nur sehr grobe Messergebnisse. Bei der Betriebskostenabrechnung zum Jahresende stellt sich die Herausforderung, dass der Wasserverband den Gesamtverbrauch mittels genauer Ultraschall-Wasserzähler ermittelt und die Wasserstände in den Wohnungen mittels Einstrahl-Flügelradzähler gemessen werden. Obwohl die Messergebnisse in den Wohnungen nur einen Verteilungsschlüssel darstellen, führt es zu Streitpotenzial, da der Kunde die unterschiedlichen Ergebnisse der Zähler nicht versteht.

Bereits in zwei Wohnhäusern wird der Ultraschall-Wasserzähler nun auch zur Verbrauchsmessung eingesetzt. In einem Wohnhaus sind die modernen Zähler bereits ein Jahr lang im Einsatz und in der Endabrechnung gab es lediglich eine Abweichung zwischen Haupt- und Wohnungszählern von 0,4 %. “Das ist ein Wert, mit dem man sehr zufrieden sein kann”, so das Fazit. Für Gerd Uhl liegt die Zukunft darin, mehr Vermieter mit in die „Cloud“ zu holen und dadurch die Losgröße für die Stichprobe effektiver zu gestalten. Schon vorbereitend auf die Stichprobenprüfung freut sich der Fachmann über die Option der Stichprobengarantie über zwei Eichperioden von Kamstrup. Damit kann das Versorgungsunternehmen der Stichprobenprüfung entspannt entgegensehen.

“Wir haben endlich einmal einen Zustand, nicht als Ganoven von der Wasserwirtschaft, die einen abzocken wollen, bezeichnet zu werden, sondern als diejenigen, die einem freundliche Tipps geben und vor großen Schäden bewahren – ein völlig neues Lebensgefühl”, freut sich Uhl.
Fakten:
Gesamt: 2.600 Hauswasserzähler, 400 Gartenzähler

Projekt:
Pilotstart: 2012 mit 20 MULTICAL® 21
Bis Ende 2016: 2.000 Zähler der Marke Kamstrup
Restlicher Gesamt-Rollout bis Ende 2017
Im Einsatz: MULTICAL® 21 und flowIQ® 3100

Zeitrahmen:
2012 - 2017

Stand:
Juni 2017
Wasser- und Abwasserzweckverband „Nieplitztal“
Großstraße 28
14929 Treuenbrietzen
Gerd Uhl, Geschäftsstellenleiter
Tel.: +49 33748 764-19
Kamstrup A/S Germany
Werderstraße 23-25
D-68165 Mannheim
Tel.: +49 621 321 689 60
Ansprechpartner: 
Ronny Peschke
Vertriebsingenieur 
T: +49 35608 1831 66
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