Beitrag erstellt am Mittwoch, 15. April 2020 von Martin Møller Værum

Es ist Zeit für ein Umdenken bei der Leckageerkennung

Der herkömmliche Weg, um Leckagen zu lokalisieren, ist nicht mehr allzu effektiv. Wenn Sie nach Leckagen suchen, indem Sie die Geräusche an Absperrventilen überprüfen, wird es in Ihren Systemen wahrscheinlich immer unerkannte Leckagen geben. Sie werden sie erst dann hören oder aufspüren können, wenn Sie Ihren Ansatz ändern.
Um uns herum ändern sich Technologien in atemberaubender Geschwindigkeit. Und genauso wie die Tools und Technologien, die wir für unsere tägliche Arbeit nutzen, müssen sich auch unsere Vorgehensweisen für diese täglichen Aufgaben weiterentwickeln. Gewohntes zu ändern und neue Arbeitsabläufe zu lernen, kann anstrengend sein. Dies kann aber auch weniger Stress und manuelle Arbeit bedeuten, denn wir werden effektiver. In diesem Beitrag möchte ich veranschaulichen, wie der herkömmliche Ansatz für die Leckageerkennung aufgrund neuer Entwicklungen infrage gestellt wird. Hierbei denke ich speziell an die vor kurzem erfolgte Einführung unserer Smart-Metering-Lösung, die auch eine akustische Leckageerkennung bietet.
  
Unser aktueller Ansatz 
Für die häufigste Form der aktiven Leckageerkennung wird heutzutage meist ein Gebiet oder eine Zone von einem Ende zum anderen manuell durchsucht. Häufig kommen bei dieser Methode auch Horchgeräte, etwa Korrelatoren und Horchstäbe, zum Einsatz. Diese lassen sich am Boden und den Absperrventilen nutzen. Das erfordert einen hohen Zeitaufwand und muss dann durchgeführt werden, wenn es völlig ruhig ist (in der Regel nachts), da der Durchfluss in den Rohren, Verkehr und sogar Regen die Horchgeräte stören kann. 
 
Dieses Verfahren ist sehr bekannt und wird von vielen Wasserversorgern verwendet. Doch das Problem besteht darin, dass es sich um eine einmalige Problembehebung handelt, die vielleicht ein- oder zweimal pro Jahr und Gebiet stattfindet. Wenn nach der Leckageerkennung eine neue Leckage auftritt, wird sie erst bei der nächsten Leckageortung entdeckt. Es sei denn, die Leckage ist groß genug, dass sie bis zur Oberfläche reicht.  

Die herkömmliche Leckageerkennung findet häufig nachts statt

Die herkömmliche Leckageerkennung findet häufig nachts statt

Warum reicht dies nicht mehr aus?
Alles begann mit einer Idee – eignen sich unsere elektronischen Wasserzähler möglicherweise auch, um das Geräusch zu erfassen, das durch Leckagen entsteht? Achtung, Spoiler: Ja, es ist möglich.

Mit unserer neuen Lösung lassen sich jetzt elektronische Zähler nutzen, um Leckagen direkt in den Leitungen aufzuspüren. Das bringt die Leckageerkennung einen gewaltigen Schritt voran. Denn somit sind wir fortlaufend im Detail darüber informiert, was in den Leitungen passiert – und zwar im gesamten Versorgungsgebiet und ohne Außendiensteinsätze. 

Zudem haben wir festgestellt, dass sich viele Leckagen durch einfaches Überprüfen der Geräusche an Absperrventilen gar nicht erkennen lassen. Im Feldtest für unsere neue Lösung haben wir mehrere Installationen ausfindig gemacht, wo wir einen erhöhten Geräuschpegel messen konnten. Doch es reichte nicht aus, an den Absperrventilen zu horchen, um die Leckagen zu verifizieren. Wir konnten sie einfach nicht „hören“, obwohl sie offensichtlich vorhanden waren. 

Das ist interessant, weil es ein Hinweis darauf ist, dass die herkömmliche Art, Leckagen zu lokalisieren, letztlich nicht allzu effektiv ist. Warum aber sind die Absperrventile nicht die optimale Stelle, um eine Leckage mithilfe konventioneller Horchtechnik zu lokalisieren? Die Horchgeräte müssen durch das Ventil und dann noch weiter bis zur Rohrleitung im Boden dringen. Das Geräusch wird also unterwegs gedämpft. Damit fällt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eine etwaige Leckage „hören“ können, entsprechend gering aus. 

Wenn Sie also nach Leckagen suchen, indem Sie die Geräusche an Absperrventilen überprüfen, wird es in Ihren Systemen wahrscheinlich immer unerkannte Leckagen geben. Sie werden sie erst dann hören oder aufspüren können, wenn Sie Ihren Ansatz ändern. 


Ein neuer Weg zur Identifizierung von Leckagen
Stellen Sie sich vor, dass alle Haushaltszähler in Ihrem Versorgungsgebiet mit akustischer Leckageerkennung ausgestattet sind. Zudem besitzen Sie ein System, um die Geräuschdaten zu visualisieren und zu filtern, sodass sich besonders risikobehaftete Installationen einfach identifizieren lassen. 

Mit den richtigen Tools können Sie Leckagen deutlich effizienter aufspüren

Selbst wenn Sie über eine Liste der „interessantesten“ Installationen in puncto Geräuschpegel verfügen, müssen Sie immer noch vor Ort überprüfen, ob tatsächlich eine Leckage vorliegt. Doch wie wir weiter oben gesehen haben, ist es wichtig, nicht nur die Geräusche an den Absperrventilen zu überprüfen.

Vielmehr ist es notwendig, an den Rohren zu horchen, die sich näher am Haus befinden, etwa direkt beim elektronischen Zähler oder vielleicht einem Wasserhahn im Außenbereich. Erst dann lässt sich das charakteristische Geräusch einer Leckage zuverlässig ermitteln. Wenn es darum geht, eine Leckage zu verifizieren, ist es häufig nützlich, wenn Sie zu zweit sind. Eine Person öffnet und schließt das Absperrventil. Die andere, die sich näher am Zähler befindet, kann auf Änderungen der Geräuschmuster achten, wenn das Ventil geöffnet und geschlossen wird.  


Eine andere Möglichkeit, um eine potenzielle Leckage zu verifizieren, besteht darin, einfach den vorhandenen Zähler gegen einen temporären Drucksensor auszutauschen. Auf diese Weise lässt sich der Druck in hoher Auflösung überwachen, während das Ventil geöffnet und geschlossen wird. Fällt der Druck, wenn das Ventil geschlossen wird, bedeutet dies höchstwahrscheinlich, dass eine Leckage in der Anschlussleitung vorliegt. 

Eine alternde Infrastruktur und Wasserverluste gehören zu den größten Herausforderungen, die wir als Branche bewältigen müssen, um dem Nachhaltigen UN-Entwicklungsziel Nr. 6 gerecht zu werden. Dazu müssen wir uns von unseren herkömmlichen Arbeitsweisen trennen, um proaktiver, zielgerichteter und effizienter zu handeln. Und obwohl der ökonomische Aspekt von nicht gemessenem Wasser ohne Zweifel äußerst wichtig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass Leckagen mehr Folgen nach sich ziehen als nur Einnahmeausfälle. Wir müssen auch berücksichtigen, dass die Verbraucher mit unserem qualitativ hochwertigen Trinkwasser ohne das Risiko von Verunreinigungen versorgt werden sollten. Jede Leckage in einer Leitung stellt ein potenzielles Risiko dar, das gesamte System mit Bakterien und Dreck zu belasten. 

Unsere neue Lösung für Smart Metering und akustische Leckageerkennung ist ein Ansatz, um genau dies bei der Ortung von Leckagen umzusetzen. Ich freue mich darauf zu sehen, was wir zusammen im nächsten Schritt erreichen können.  

Schreiben Sie einen Kommentar in den unteren Bereich, oder folgen Sie diesem Link, wenn Sie mehr über unsere neue Lösung für Smart Metering und akustische Leckageerkennung erfahren wollen.


Autor


Verwandte Blog-Beiträge